Goldener Oktober in der Räuberhöhle

„Nein, das ist doch kein Euro! Das ist ein Sechs-Cent-Stück! Ein Euro sieht so aus!“ Stille Konzentration erfüllt die kleine, vom Ofen erwärmte Hütte der Räuberhöhle. Die Kinder der
Arbeitsgruppe Geld sitzen hier um den Tisch, draußen toben die restlichen Räuber lärmend im Matsch. Auf dem Tisch aufgereiht liegt eine Hand voll verschiedener Münzen, über die sich die
Kinder beugen. Eines der Mädchen hat einen Geldbeutel von zu Hause mitgebracht, jetzt wird dessen Inhalt unter die Lupe genommen. „Da muss eine Eins drauf sein. Und so ein Ring.“ Eine
Vierjährige kennt sich aus. Sie zeigt und erklärt den anderen, die aufmerksam zuhören, woran man den Unterschied zwischen dem Euro-Stück und der kleineren Münze, auf der ebenfalls eine Eins zu sehen ist, erkennen kann. Die Frage aus der letzten Woche, wo denn das Geld für unser Projekt „Eisessen in Tübingen“ herkommen solle, wird wieder aufgegriffen. „Wir gehen zur Bank.“, entscheidet die Arbeitsgruppe Geld. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Jungen aus der
Arbeitsgruppe Bus ist auch geklärt, zu welcher Bank wir gehen werden. Zur Kayher Bank nämlich, schließlich müssen wir dort sowieso hin, um den Busfahrplan an der Haltestelle einzusehen. Als Ende der Woche das Wetter besser wird, können wir einen wunderschönen goldenen Oktober genießen. Am Freitag besuchen wir den Spielplatz am Segelflugplatz in Poltringen, der ganz in der Nähe von Nanus' Stall liegt. Nur eine kleine Gruppe trifft sich direkt am Stall. Die Kinder putzen und füttern die freundliche Stute Nanu und reiten schließlich auf ihr durch die Herbstsonne und vorbei an den abgeernteten Maisfeldern, in denen man bis vor kurzem noch Verstecken spielen
konnten, zum Spielplatz.

Schlechtes Wetter gibt es nicht (07.10.2019)

„Und jetzt die Kauflächen!“ Im regennassen Wald stehend, die Zahnbürsten im Mund, schauen wir abwechselnd auf Anja, die uns zeigt und erklärt, wie man sich richtig die Zähne putzt und auf die Sanduhr, die die dafür benötigte Zeit misst. Als wir fertig sind, spucken alle im selben Eck die restliche Zahncreme aus – der Regen strömt, nichts bleibt übrig. Es ist Zahnputzwoche in der Räuberhöhle, eine Vorbereitung auf den Besuch der Zahnärztin am kommenden Montag. Buchstäblich ins Wasser gefallen ist in dieser nur dreitägigen Woche die Weiterführung unseres Projekts „Eisessen in Tübingen“. Der von der Arbeitsgruppe „Bus“ geplante Ausflug zur Kayher Bushaltestelle musste verschoben werden, auch die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe „Geld“ haben vorläufig pausiert. Zu vollem Einsatz gekommen ist dafür das Tarp, das, über unseren Tisch gespannt, ein zuverlässiges Dach im strömenden Regen bildet. Wie schön es ist, gemeinsam im Trockenen zu essen und dabei trotzdem draußen zu sein! Aber auch mitten im Regen ist es schön: im aufgeweichten Matsch zu buddeln macht Spaß, viele Pfützen wollen ausgeschaufelt, Staudämme im Schlamm an der Sandgrube angelegt werden. Innerhalb unserer Hütte hängen Handschuhe am warmen Ofen, tropfen Jacken, matschige Stiefel stehen im Eingangsbereich. Seit Mittwoch ist auch die Kuschelecke wieder eröffnet: wem der Regen doch irgendwann auf die Stimmung schlägt, kann sich hier rehabilitieren. In kleinen Gruppen kuscheln sich die Kinder in den gemütlichen, abgeteilten Bereich der Hütte und genießen es für eine kurze Weile, die Regenklamotten los geworden zu sein. Nach dem Aufwärmen geht es wieder raus, es gibt nämlich kein schlechtes Wetter.

Arbeitsgruppen und Herbstanfang! (30.09.2019)

„Der Herbst, der Herbst ist da, er bringt uns Wind, heihossassa!“ Diese Woche hat der Herbst in der Räuberhöhle Einzug gehalten, im Morgenkreis haben wir ihn begrüßt, eingehüllt in mehrere Kleidungsschichten, Herbstlieder singend. Ebenfalls begrüßt wurde eine weitere neue Räuberin in unserer Mitte, über die wir uns freuen. Das in der vergangenen Woche angelaufene Projekt „Eisessen in Tübingen“ hat sich weiterentwickelt, die Kinder haben entschieden, für den Weg in die Stadt den Bus zu nutzen. Diese Entscheidung wirft natürlich neue Fragen auf: wo fährt der Bus?
Wann? Wie kommt man an derartige Informationen? Eine Arbeitsgruppe „Bus“ entsteht. Die Kinder fragen zuhause nach, tauschen ihr Wissen aus, überlegen gemeinsam. Malen sich Erinnerungen auf, um während der Recherche auch nichts zu vergessen. Ein Spaziergang nach Kayh wird für den kommenden Montag geplant, denn dort hängt ein Fahrplan an der Bushaltestelle. Wir kommen
voran. Eine zweite Arbeitsgruppe bildet sich, als man über die Frage stolpert, wie denn das Eis zu bezahlen sei. Klar, mit Geld. Aber wie viel davon braucht man? Und wo bekommt man das her? Jemand hat die Idee, etwas zu verkaufen. Äpfel, beispielsweise, Eier. Oder Spaghetti. Man könnteauch die Mama fragen, wirft ein anderes Kind ein. Oder Geld vom Automaten holen! Dass man
dafür aber sowohl eine Karte als auch eine geheime Zahl benötigt, stellt sich als unüberwindbare Schwierigkeit dar. Am Freitag gelingt der Arbeitsgruppe „Geld“ dennoch ein wichtiger Durchbruch: ein Junge, der in der Nähe einer Eisdiele wohnt, ist über die gängigen Preise von Eiskugeln informiert. Nach einigen Gesprächen und Überlegungen der Arbeitsgruppe ist uns nun die Menge an Geld bekannt, die wir benötigen, um für jeden eine Kugel zu kaufen. Allen weiteren Fragen werden wir uns in der kommenden Woche widmen.

Ein ganz normaler schöner Tag....(23.09.2019)


Trommelrythmen klingen durch den Schönbuch. Wir sitzen in einem großen Kreis, jeder hält ein Instrument in der Hand. Wir singen indianische Lieder, für die Erde, für den Himmel und für uns. Die verschiedenen Perkussionsinstrumente begleiten uns dabei mit ihren unterschiedlichen Klängen: der tiefe Schlag der Djembe, die Klanghölzer, die Rasseln und unsere Stimmen, alles mischt sich und klingt schön. In der Mitte des Kreises flattert ein buntes Band um ein Kind herum, das im Rhythmus tanzt und dabei das Band schwingt. Jedes der Kinder interpretiert den Tanz anders, jedes schlägt seinen eigenen Rhythmus, alle haben Spaß. Der Alltag ist in dieser zweiten Woche in unsere Räuberhöhle eingekehrt, er läuft gut an. Bei einem sonnigen Spaziergang am Mittwoch kommt die Frage auf, wohin man gelangen würde, würde man unseren Rastplatz verlassen und weitergehen. Was wohl hinter der nächsten Biegung kommt? Jemand weiß Bescheid: „Da wohnt meine Oma.“ Und wenn man noch weitergeht? „Dann kommt man nach Tübingen. Und da kann man Eis essen.“ -  „Da muss man aber hinfahren.“ Das interessiert alle gleichermaßen. Man könnte den Zug nehmen. Oder den Helikopter. Wir sammeln Ideen. Am Freitag ist endlich wieder Nanu-Tag: wir treffen uns am Pferdestall und verbringen den Tag mit Anjas' Pferd Nanu. Die Kinder lassen sich von der Stute tragen, fassen sogar beim Ausmisten der Box mit an und bereiten das Futter vor. Es ist wie immer ein sehr ereignisreicher Vormittag bei Nanu, der allen großen Spaß macht.       

Zurück im Wald (16.09.2019)
 

„Heute Morgen hatte ich Handschuhe an und jetzt ist mir viel zu warm!“ Alle schwitzen. Bis gerade eben konnte man fast noch den eigenen Atem sehen, jetzt aber hat sich die Sonne ihren Weg durch den Frühnebel gebahnt und erwärmt unseren Platz im Schönbuch, auf dem sich die Gruppe der Räuberhöhle am vergangenen Montag zum ersten Morgenkreis im neuen Kindergartenjahr getroffen hat. „Ich zieh' die Schuhe aus!“ Es wird heiß im eben noch kalten Wald. Die dick eingepackten Kinder beginnen, sich auszuziehen. Plötzlich hängen überall Jacken und Mützen, auch sonst sieht das Gelände verändert aus: während des Sommers ist Gras aus den Samen gewachsen, die wir vor den Ferien ausgestreut haben. Rund um unseren Morgenkreis liegen die riesigen Köpfe verblühter Sonnenblumen, aus denen die Kinder die Kerne pulen und knabbern.

„Ich will ein Boot bauen!“, mit dieser Idee greift ein Vierjähriger das Projekt der jetzigen Schulkinder aus dem vergangenen Jahr auf. Und schon geht es los: gemeinsam mit Ute falten die Kinder konzentriert Boote aus Papier, die sie anschließend bemalen – fertig! Wie aber bekommt man so ein Boot wieder ans Ufer, wenn es einmal in See gestochen ist? Die Kinder beratschlagen. Schon bald ist die Lösung gefunden: ein Rückholmechanismus muss her! Vorsichtig werden Löcher in die papierenen Schiffsbüge gebohrt, Schnüre werden gefädelt und verknotet. Getestet wird die Konstruktion an Land: quer durch die Räuberhöhle flattern die Boote an ihren Schnüren hinter den Kindern her. Funktioniert.  

Diese allererste Woche nach den Ferien ist wie im Flug vergangen. Nach und nach haben wir uns von den ganz Großen verabschiedet, von denen uns manche zu Anfang der Woche noch bis zur Einschulung begleitet haben. Auch ist bereits eine neue Räuberin zu uns gestoßen. Beim gemeinsamen Spielen und Musizieren konnten wir die Spätsommeratmosphäre auf unserem Gelände genießen und zum Wochenausklang am Freitag einen wunderschönen Sonnenspaziergang durch den Wald unternehmen. 

Aktuelles

Unser Flyer

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