Mit Bischofsstab und Mitra (08.12.2019)

 

Lustig, lustig, tralalalala... Die ganze vergangene Woche über darf im Morgenkreis der Räuberhöhle je ein Kind seine Adventssocke öffnen, die - alle hintereinander an einer Schnur befestigt - quer durch die Hütte aufgespannt den Adventskalender des Waldkindergartens bilden. Mit jedem verstreichenden Tag steigt dabei die Vorfreude auf den Nikolaus. Am Freitag ist es dann endlich soweit: nach der Adventssocke und den Nikolausliedern verkleidet sich eines der Räuberkinder: als der Bischof Nikolaus läuft es mit Mitra, Brustkreuz, Bischofsstab und Ring durch den Kreis und verteilt, gemeinsam mit seinem Gehilfen, Gaben an die Kinder. Weil das Verkleiden so großen Spaß macht geht es nach dem Morgenkreis weiter, nachdem sich alle in der warmen Hütte mit bei einer Vesperrunde gestärkt haben. An einem Baumstamm lehnt ein großer Spiegel, daneben steht ein Tisch, auf dem die Insignien des heiligen Nikolaus ausgebreitet auf ihren Einsatz warten.

Gemessenen Schrittes durchqueren viele verschiedene Bischöfe an diesem sonnigen Freitagvormittag den Waldkindergarten. Mit von der Partie ist am Nikolaustag außerdem Anjas' Hündin Milla, mit der manche der Kinder Stöckewerfen spielen und kleine Spaziergänge unternehmen. Trotz all der vorweihnachtlichen Stimmung kommt aber auch die Projektarbeit in dieser Woche nicht zu kurz: die Eisdielengruppe entschließt sich zu einer zweiten Verkaufsrunde ihres selbstgebastelten Eises. Außerdem trifft sich der ganze Kindergarten zur Reflexionsrunde, dabei sammeln wir bisherige Ergebnisse und besprechen weitere mögliche Vorgehensweisen und Zielsetzungen unserer Projektarbeit. Veranschaulicht werden die Möglichkeiten auf Skizzen, entschieden wird per Mehrheitsentschluss. Das Ergebnis der erneuten Abstimmung zeigt, dass die Idee „Eisessen gehen“ unverändert der Favorit bleibt.

Die letzte Vor-Advent-Woche (02.12.2019)

 

Der Regen strömt, aber das Blätterdach des Äste-Tipis hält dicht. Drei Kinder sitzen in seinem Schutz und spähen nach draußen, wo alle und alles tropfnass geregnet werden. Schon lange steht das Gerüst des Tipis hinter dem Esstisch der Räuberhöhle, große Äste, die, aneinander gelehnt, ihre Spitzen sicher ineinander verkeilen. Im Laufe der letzten Wochen aber wurde die Weiterarbeit am Tipi aufgenommen. Kürzere, immer dünner werdende Queräste wurden eingefädelt, bis schließlich ein dichtes Astgewebe entstanden ist, das die Kinder der Räuberhöhle sorgsam mit Laub bedeckt haben. Der Novemberregen sorgt für den Härtetest, den das laubgedeckte Tipi prompt besteht.

Ebenfalls weitergearbeitet wurde an dem Projekt der Räuberkinder, zusätzlich zu den bestehenden Arbeitsgruppen „Geld“ und „Zug“ hat sich die „Eisdielengruppe“ gebildet, die kurzerhand einen der großen Baumstämme, die in der Räuberhöhle liegen, zu einer Eisdiele umfunktioniert und selbstgebasteltes Papier-Eis anbietet. Traditionell wird das Eis sowohl in der Waffel, als auch im Becher angeboten, ungewöhnlich sind nur die angebotenen Sorten. Beispielsweise gibt es

Waldgrün- Geschmack. Ein Junge hat eine großen Haufen Centstücke von daheim mitgebracht, den sortiert die Arbeitsgruppe Geld bei ihrem Treffen. Dabei fällt einem der Kinder die Münzzähl- Maschine der Bank ein, die wir vor ein paar Wochen besucht haben, die wäre jetzt geschickt.

Besonders viel Zeit für die Projektarbeit aber bleibt nicht, immerhin sind diese Woche gleich zwei Geburtstage zu feiern, auch ansonsten ist viel zu tun. Bauarbeiter buddeln, Feuerwehrmänner löschen, es ist ein geschäftiges Treiben in der Räuberhöhle. Im letzten Abschlusskreis der Woche wird sehnsüchtig auf die Reihe weihnachtlich bunter Socken geschaut, die die Hütte durchziehen. Kleine Wichtelgeschenke sind darin versteckt, der Advent kann kommen!

Der Weg ist das Ziel (25.11.2019)

 

„Wir bringen den Kanister in den Mülleimer, der ist mir zu schwer.“ Ein fast vierjähriger Junge steht mit einem Stock im Wald, an dem ein alter, kaputter Plastikkanister hängt. Müll, den wir auf einem Spaziergang gefunden haben. Eigentlich wollte die Projektgruppe „Geld“ für unser Vorhaben, nach Tübingen Eisessen zu gehen, Geld suchen gehen. Denn ein Kind hatte berichtet, auf dem Boden schon mal Geld gefunden zu haben. Nun haben wir zwar kein Geld, aber dafür jede Menge Müll gefunden und beim alten Kanister beschlossen die Kinder, diesen nicht im Wald liegen zu lassen. Gespräche über den Schaden für die Umwelt entstanden. „Aber wir wollen doch weiter Geld suchen gehen, wenn wir jetzt zurück gehen müssen wir wieder von vorne anfangen.“, erwidert ein Gleichaltriger. Eine Diskussion entsteht und wir finden eine Lösung: Zwei Kinder teilen sich die Last und lassen den Kanister zwischen sich auf einem Stock baumeln. Auf dem weiteren Weg entdecken wir noch zahlreiche Wildschweinspuren. Wir schauen uns die Hufabdrücke in der umgegrabenen Wiese genau an. Auch hier finden wir noch Müll, den wir einsammeln. Am Ende haben wir zwar kein Geld gefunden, haben aber dennoch viel entdeckt und erlebt, die Kinder scheint es nicht zu enttäuschen. Am nächsten Tag bringt ein Mädchen eine Schatztruhe mit, in der auch schon ein bisschen Geld für unser Projekt ist. Wir dürfen sie als unsere Projektschatzkiste nutzen. Auch ein Junge hat seine Schatzkiste dabei, auch hier ist etwas Geld für das Projekt drin. Ein weiteres Mädchen meint, wir könnten das Geld aus ihrem Geldbeutel dafür benutzen, der von den Eltern dafür mit mehreren Münzen ausgestattet wurde. Dann bringt ein Fünfjähriger noch eine schwere Tüte voller 1 und 2 Cent Münzen mit. Auf einem Tablett fängt er an, sie zu sortieren, andere Kinder gesellen sich dazu. Ob wir dieses Jahr noch genug Geld für unser Vorhaben zusammen bekommen ist nicht sicher, aber hier gilt: der Weg ist das Ziel!

Lichterzauber zwischen dunklen Schatten (18.11.19)

 

Ein goldenes Licht überzieht wie ein strahlender Zauber die gelben und braunen Blätter des späten Herbstes. Der Horizont glüht in seinem prächtigsten Gold und erhellt den Wald mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Von unserem Treffpunkt am Schützenhaus können wir dieses Wunder noch bestaunen bevor die Dunkelheit uns nach und nach in ihre Schatten hüllt und den bunten Laternen ihren hellen Schein entlockt. Wir treffen uns in einem großen Kreis und singen, während die Kinder mit ihren bunten Laternen im innern des Kreises laufen, wie ein wogendes, buntes Lichtermeer. Nun ist es schon ziemlich dunkel und wir steigen die Treppen zum Trampelpfad hoch, der uns am Rande des Schönbuchs an zwei Aussichtspunkten vorbei führt. Von dort aus sehen wir auf die glitzernde Ebene hinunter, die sich vor unseren Augen ausstreckt: die ruhigen Lichter der Dörfer, die lange Lichterschlange auf der Autobahn – die Sicht ist klar wie die frische Abendluft. In der Dunkelheit tanzen die Laternenlichter wie von Geisterhand getragen vor uns auf und ab, hin und her. Im Wald gibt es keine Straßenlaternen, die uns – einmal in ihr Licht getreten – zu erkennen geben. Man muss schon nah an den sanften Laternenschimmer heran treten, um zu erahnen wer hier gerade läuft. Wir singen Lieder und der Chor aus Kindern klingt mir kräftig in den Ohren, so schön wie sie gerne bereit sind so mit zu singen. An der Räuberhöhle angekommen führt uns ein Weg aus glitzernden Windlichtern zum erleuchteten Kreis aus Baumstämmen. Wir hängen die Laternen über ein langes Seil und werden dann ganz still im Kreis, in das warme Licht gehüllt. Dann stimmen wir das Lied „Der Mond ist aufgegangen an“. Hier im Wald, im warmen Kerzenschein, unter all den Menschen, scheint sich ein Netz der Geborgenheit zu weben. Mit vollen Tellern vom vielseitigen Buffet lassen wir dann den Abend ausklingen. Als sich dann später nach und nach der Wald geleert hat, sitze ich noch mit der Gitarre im Schein der sanften Flammen und spüre der Magie des Abends nach. Es war wieder wunderschön!

Besuch bei der Bank (11.11.19)
 

„Ja, also. Wir wollen Eisessen gehen. Dafür brauchen wir Geld.“ Der Vierjährige spricht für alle, für den ganzen Waldkindergarten Räuberhöhle, der sich gerade in der Filiale einer Herrenberger Bank versammelt hat. Die Frau hinter dem Schalter sieht sehr freundlich aus, auch, wenn ihr vielleicht noch nicht ganz klar ist, worum es hier geht. Wunderbarerweise hat sie aber genug Zeit, um sich alles genau erklären zu lassen. Dass die Kinder der Räuberhöhle an einem Projekt arbeiten, sie wollen nach Tübingen fahren und dort Eis essen gehen. Dass sie dafür Geld brauchen, aber nicht genau wissen, wie und woher man welches bekommt. Dass sie deshalb entschieden haben, eine Bank zu besuchen, um herauszufinden, wie sich das alles verhält mit den Konten, den Karten und den Geheimnummern. Das ist das Highlight der vergangenen Woche, der von der Arbeitsgruppe

„Geld“ geplante Ausflug zur Herrenberger Bank. Nachdem die Kinder alles erklärt haben, beginnt die freundliche Frau, unsere Fragen zu beantworten. Dabei führt sie uns durch die Bank: wir sehen den Tresorraum und die Kinder bewegen die schwere Türe, sie hat ein riesiges Kreuz anstelle einer Klinke. Wir schauen uns die Münzzähl – Maschine an, die für jede Münzart eine eigene Öffnung hat. Die Kinder zeigen das Geld, das sie selbst hergestellt haben und erfahren, dass man damit kein Konto eröffnen kann. Trotz dieser Nachricht ist der Besuch bei der Bank ein voller Erfolg, zum Abschied gibt es sogar noch ein Stückchen Schokolade und ein Heftchen für jeden. In der Nähe der Bank gibt es einen kleinen Spielplatz, hier tragen die Kinder ihre gesammelten Eindrücke zusammen. Sie haben viel Neues gehört und gesehen, das in der kommenden Woche sicher in die Überlegungen der

„Arbeitsgruppe Geld“mit einfließen wird.

Wer klingt und klettert durchs Gestein? (04.11.19)

 

„Wer klingt und klettert durchs Gestein? Eins, zwei, drei, vier klein Brüderlein.“ Aufmerksam lauschen die Kinder dem Text des ersten Laternenliedes diesen Jahres, es erzählt von vier Wichteln, die ihre Kerzchen anzünden und durch das Dunkel tragen. Auch die Kinder der Räuberhöhle, in kleinem Kreis versammelt, zünden je eine Kerze an und tragen sie durch den Morgenkreis, wenn im Lied der Name des richtigen Wichtels genannt wird. Der Herbst schreitet voran, es wird grauer, nasser und kühler. Wir stimmen uns mit Laternenliedern ein. In dieser sehr kurzen Woche erleben wir in der Räuberhöhle einmal mehr, dass Gemütlichkeit auch draußen stattfinden kann, grauer werdende Herbstzeit hin oder her. Selbst der verregnete Dienstag lässt sich dank des Tarps und unserer Regenjacken auch draußen in wunderbar entspannter Stimmung verbringen, endlich ist einmal Zeit, das Zweig - Tipi neu aufzubauen. Der Herbstferien wegen bleiben viele Kinder mit größeren Geschwistern zuhause, so lichtet sich auch unsere Gruppe und wir verbringen unsere Vormittage in sehr kleinem Kreis. Ein klarer Höhepunkt der kurzen Woche ist der Geburtstag von einer unserer Jüngsten, den wir gebührend mit Geburtstagsmorgenkreis, Zwergennest – Suche und gemeinsamen Kuchenessen feiern. Die Projektarbeit werden wir in der kommenden Woche wieder aufnehmen, wenn wir wieder vollzählig versammelt sein werden.

Elfenpost (28.10.2019)

"Der fährt ja nur in der Nacht!" Die Kinder der Busgruppe sitzen um den Tisch und beugen sich über die abfotografierten und ausgedruckten Busfahrpläne der Kayher Bushaltestelle. Um sie herum tanzen Blätter, unter den Busfahrplänen, überall auf dem Tisch liegt das gelbe Laub der riesigen Buchen, die sich herbstlich verfärben. "Nur in der Nacht?" Ratlosigkeit breitet sich aus in der Räuberhöhle, die Arbeitsgruppe Bus schweigt. Noch immer wird von den Kindern des Waldkindergartens am Projekt "Eisessen in Tübingen" gearbeitet. Nach wie vor ist die Organisation des Projektes in zwei Hauptgruppen aufgeteilt, nämlich in die Arbeitsgruppe "Geld", deren Schwerpunkt die Finanzierung des Ausfluges ist. Die zweite Gruppe, die Busgruppe, kümmert sich um die An- und Abfahrten. Dazu gehört selbstverständlich auch, sich - sind Start und Ziel erst einmal festgelegt - über die Abfahrtszeiten der Busse zu informieren. Und gerade sieht es so aus, als würden die Busfahrpläne, eigens hierfür während eines Ausflugs zur Kayher Haltestelle besorgt, den sorgfältig erstellten Plan gefährden. "Nur nachts? Dann können wir ja gar nicht fahren" Es wird nachgedacht im immer bunter werdenden Wald, die Busse fahren nur nachts durch. Tagsüber müsste man umsteigen. "Da wo ich wohne fahren Züge bis nach Tübingen. Am Tag." Ein Vierjähriger ist sich sicher. Die Kinder einigen sich schnell, vom als Verkehrsmittel gewählten Bus ab Kayh auf den Zug ab Herrenberg umzusteigen finden alle gut. Ein Kind nimmt ein auf den Busfahrplänen gelandetes Buchenblatt und "liest": Post von den Elfen. Überall segelt diese Elfenpost, der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wer nicht gerade am Projekt arbeitet, wird vom üppigen Laub zum Spielen eingeladen. Manche Kinder tragen Laubhaufen zusammen und springen dann so lange hinein, bis sie wieder ganz flach sind. Andere bahnen Straßen durch den gelb-braunen Blätterteppich und legen so den dunklen Waldboden darunter frei. Bei Streifzügen durch die Sandgrube finden wir viele verschieden Pilze, die, im Laub versteckt, aus dem Boden oder aus alten Hölzern und Baumstümpfen sprießen. Zum Wochenausklang essen wir gemeinsam Brezeln am laubgeschmückten Tisch, die eine Familie für alle mitgebracht hat. Dabei bemerken wir Sägegeräusche und treffen eine Grundschulklasse und den Forstwart an der Badwette, dem benachbarten Tümpel der Räuberhöhle. Die Schulkinder haben das Tümpelufer freigeschnitten, jetzt spielen die Kinder der Räuberhöhle mit dem Grünschnitt, angeln und fegen Laub. Um sie herum fällt die Elfenpost. 
 

Das ist ja aus Papier! (21.10.2019)


„Aber dort, hinter dem Absperrband, da kann keiner hin!“ Eine Motorsäge kreischt und alle heben die Köpfe: hoch in den Wipfeln unserer Buchen hängen Baumkletterer, die kranke Zweige kappen. Mit einem gewaltigen Knall kommt einer dieser Zweige auf dem Waldboden auf, wir staunen. Dann machen wir uns auf den Weg, denn diese Woche wird der Ausflug nach Kayh, den die Kinder der Räuberhöhle von langer Hand geplant haben, endlich realisiert. Wir nehmen den Weg, für den sich die Kinder entschieden haben: die Staffeln am Grafenberg. Ein schöner Weg, wenn auch nicht unbedingt geeignet für den Bollerwagen. Mit einiger Verzögerung kommen wir dennoch in Kayh an, jetzt stehen die Kinder der Arbeitsgruppe Bus an der Haltestelle vor der Kayher Bankfiliale, in welcher momentan die Kinder der Arbeitsgruppe Geld in eigener Sache zugange sind, und beobachten, wie ein Linienbus auf der gegenüberliegenden Seite hält. Zwei Haltestationen, zwei Busfahrpläne also. Wir fotografieren beide. In den kommenden Tagen wird das gesammelte Material im lichter gewordenen Wald ausgewertet, auch die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Geld: da sich zur Zeit unserer Ankunft kein Angestellter mehr in der Filiale befunden hatte, konnte nur der Geldautomat näher betrachtet werden, was allerdings zu keinen neuen Erkenntnissen führte. Die Entdeckung eines Fünf-Euro-Scheins aus Anjas' Geldbeutel allerdings schon: denn, anders als die bereits bekannten Münzen, lässt sich ein Geldschein aus Papier nach Einschätzung der Kinder leicht selbst herstellen. Erste, aufwändig verzierte Versuche liegen bereits vor.
 

Goldener Oktober in der Räuberhöhle (14.10.2019)


„Nein, das ist doch kein Euro! Das ist ein Sechs-Cent-Stück! Ein Euro sieht so aus!“ Stille Konzentration erfüllt die kleine, vom Ofen erwärmte Hütte der Räuberhöhle. Die Kinder der
Arbeitsgruppe Geld sitzen hier um den Tisch, draußen toben die restlichen Räuber lärmend im Matsch. Auf dem Tisch aufgereiht liegt eine Hand voll verschiedener Münzen, über die sich die
Kinder beugen. Eines der Mädchen hat einen Geldbeutel von zu Hause mitgebracht, jetzt wird dessen Inhalt unter die Lupe genommen. „Da muss eine Eins drauf sein. Und so ein Ring.“ Eine
Vierjährige kennt sich aus. Sie zeigt und erklärt den anderen, die aufmerksam zuhören, woran man den Unterschied zwischen dem Euro-Stück und der kleineren Münze, auf der ebenfalls eine Eins zu sehen ist, erkennen kann. Die Frage aus der letzten Woche, wo denn das Geld für unser Projekt „Eisessen in Tübingen“ herkommen solle, wird wieder aufgegriffen. „Wir gehen zur Bank.“, entscheidet die Arbeitsgruppe Geld. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Jungen aus der
Arbeitsgruppe Bus ist auch geklärt, zu welcher Bank wir gehen werden. Zur Kayher Bank nämlich, schließlich müssen wir dort sowieso hin, um den Busfahrplan an der Haltestelle einzusehen. Als Ende der Woche das Wetter besser wird, können wir einen wunderschönen goldenen Oktober genießen. Am Freitag besuchen wir den Spielplatz am Segelflugplatz in Poltringen, der ganz in der Nähe von Nanus' Stall liegt. Nur eine kleine Gruppe trifft sich direkt am Stall. Die Kinder putzen und füttern die freundliche Stute Nanu und reiten schließlich auf ihr durch die Herbstsonne und vorbei an den abgeernteten Maisfeldern, in denen man bis vor kurzem noch Verstecken spielen
konnten, zum Spielplatz.

Schlechtes Wetter gibt es nicht (07.10.2019)

„Und jetzt die Kauflächen!“ Im regennassen Wald stehend, die Zahnbürsten im Mund, schauen wir abwechselnd auf Anja, die uns zeigt und erklärt, wie man sich richtig die Zähne putzt und auf die Sanduhr, die die dafür benötigte Zeit misst. Als wir fertig sind, spucken alle im selben Eck die restliche Zahncreme aus – der Regen strömt, nichts bleibt übrig. Es ist Zahnputzwoche in der Räuberhöhle, eine Vorbereitung auf den Besuch der Zahnärztin am kommenden Montag. Buchstäblich ins Wasser gefallen ist in dieser nur dreitägigen Woche die Weiterführung unseres Projekts „Eisessen in Tübingen“. Der von der Arbeitsgruppe „Bus“ geplante Ausflug zur Kayher Bushaltestelle musste verschoben werden, auch die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe „Geld“ haben vorläufig pausiert. Zu vollem Einsatz gekommen ist dafür das Tarp, das, über unseren Tisch gespannt, ein zuverlässiges Dach im strömenden Regen bildet. Wie schön es ist, gemeinsam im Trockenen zu essen und dabei trotzdem draußen zu sein! Aber auch mitten im Regen ist es schön: im aufgeweichten Matsch zu buddeln macht Spaß, viele Pfützen wollen ausgeschaufelt, Staudämme im Schlamm an der Sandgrube angelegt werden. Innerhalb unserer Hütte hängen Handschuhe am warmen Ofen, tropfen Jacken, matschige Stiefel stehen im Eingangsbereich. Seit Mittwoch ist auch die Kuschelecke wieder eröffnet: wem der Regen doch irgendwann auf die Stimmung schlägt, kann sich hier rehabilitieren. In kleinen Gruppen kuscheln sich die Kinder in den gemütlichen, abgeteilten Bereich der Hütte und genießen es für eine kurze Weile, die Regenklamotten los geworden zu sein. Nach dem Aufwärmen geht es wieder raus, es gibt nämlich kein schlechtes Wetter.

Arbeitsgruppen und Herbstanfang! (30.09.2019)

„Der Herbst, der Herbst ist da, er bringt uns Wind, heihossassa!“ Diese Woche hat der Herbst in der Räuberhöhle Einzug gehalten, im Morgenkreis haben wir ihn begrüßt, eingehüllt in mehrere Kleidungsschichten, Herbstlieder singend. Ebenfalls begrüßt wurde eine weitere neue Räuberin in unserer Mitte, über die wir uns freuen. Das in der vergangenen Woche angelaufene Projekt „Eisessen in Tübingen“ hat sich weiterentwickelt, die Kinder haben entschieden, für den Weg in die Stadt den Bus zu nutzen. Diese Entscheidung wirft natürlich neue Fragen auf: wo fährt der Bus?
Wann? Wie kommt man an derartige Informationen? Eine Arbeitsgruppe „Bus“ entsteht. Die Kinder fragen zuhause nach, tauschen ihr Wissen aus, überlegen gemeinsam. Malen sich Erinnerungen auf, um während der Recherche auch nichts zu vergessen. Ein Spaziergang nach Kayh wird für den kommenden Montag geplant, denn dort hängt ein Fahrplan an der Bushaltestelle. Wir kommen
voran. Eine zweite Arbeitsgruppe bildet sich, als man über die Frage stolpert, wie denn das Eis zu bezahlen sei. Klar, mit Geld. Aber wie viel davon braucht man? Und wo bekommt man das her? Jemand hat die Idee, etwas zu verkaufen. Äpfel, beispielsweise, Eier. Oder Spaghetti. Man könnteauch die Mama fragen, wirft ein anderes Kind ein. Oder Geld vom Automaten holen! Dass man
dafür aber sowohl eine Karte als auch eine geheime Zahl benötigt, stellt sich als unüberwindbare Schwierigkeit dar. Am Freitag gelingt der Arbeitsgruppe „Geld“ dennoch ein wichtiger Durchbruch: ein Junge, der in der Nähe einer Eisdiele wohnt, ist über die gängigen Preise von Eiskugeln informiert. Nach einigen Gesprächen und Überlegungen der Arbeitsgruppe ist uns nun die Menge an Geld bekannt, die wir benötigen, um für jeden eine Kugel zu kaufen. Allen weiteren Fragen werden wir uns in der kommenden Woche widmen.

Ein ganz normaler schöner Tag....(23.09.2019)


Trommelrythmen klingen durch den Schönbuch. Wir sitzen in einem großen Kreis, jeder hält ein Instrument in der Hand. Wir singen indianische Lieder, für die Erde, für den Himmel und für uns. Die verschiedenen Perkussionsinstrumente begleiten uns dabei mit ihren unterschiedlichen Klängen: der tiefe Schlag der Djembe, die Klanghölzer, die Rasseln und unsere Stimmen, alles mischt sich und klingt schön. In der Mitte des Kreises flattert ein buntes Band um ein Kind herum, das im Rhythmus tanzt und dabei das Band schwingt. Jedes der Kinder interpretiert den Tanz anders, jedes schlägt seinen eigenen Rhythmus, alle haben Spaß. Der Alltag ist in dieser zweiten Woche in unsere Räuberhöhle eingekehrt, er läuft gut an. Bei einem sonnigen Spaziergang am Mittwoch kommt die Frage auf, wohin man gelangen würde, würde man unseren Rastplatz verlassen und weitergehen. Was wohl hinter der nächsten Biegung kommt? Jemand weiß Bescheid: „Da wohnt meine Oma.“ Und wenn man noch weitergeht? „Dann kommt man nach Tübingen. Und da kann man Eis essen.“ -  „Da muss man aber hinfahren.“ Das interessiert alle gleichermaßen. Man könnte den Zug nehmen. Oder den Helikopter. Wir sammeln Ideen. Am Freitag ist endlich wieder Nanu-Tag: wir treffen uns am Pferdestall und verbringen den Tag mit Anjas' Pferd Nanu. Die Kinder lassen sich von der Stute tragen, fassen sogar beim Ausmisten der Box mit an und bereiten das Futter vor. Es ist wie immer ein sehr ereignisreicher Vormittag bei Nanu, der allen großen Spaß macht.       

Zurück im Wald (16.09.2019)
 

„Heute Morgen hatte ich Handschuhe an und jetzt ist mir viel zu warm!“ Alle schwitzen. Bis gerade eben konnte man fast noch den eigenen Atem sehen, jetzt aber hat sich die Sonne ihren Weg durch den Frühnebel gebahnt und erwärmt unseren Platz im Schönbuch, auf dem sich die Gruppe der Räuberhöhle am vergangenen Montag zum ersten Morgenkreis im neuen Kindergartenjahr getroffen hat. „Ich zieh' die Schuhe aus!“ Es wird heiß im eben noch kalten Wald. Die dick eingepackten Kinder beginnen, sich auszuziehen. Plötzlich hängen überall Jacken und Mützen, auch sonst sieht das Gelände verändert aus: während des Sommers ist Gras aus den Samen gewachsen, die wir vor den Ferien ausgestreut haben. Rund um unseren Morgenkreis liegen die riesigen Köpfe verblühter Sonnenblumen, aus denen die Kinder die Kerne pulen und knabbern.

„Ich will ein Boot bauen!“, mit dieser Idee greift ein Vierjähriger das Projekt der jetzigen Schulkinder aus dem vergangenen Jahr auf. Und schon geht es los: gemeinsam mit Ute falten die Kinder konzentriert Boote aus Papier, die sie anschließend bemalen – fertig! Wie aber bekommt man so ein Boot wieder ans Ufer, wenn es einmal in See gestochen ist? Die Kinder beratschlagen. Schon bald ist die Lösung gefunden: ein Rückholmechanismus muss her! Vorsichtig werden Löcher in die papierenen Schiffsbüge gebohrt, Schnüre werden gefädelt und verknotet. Getestet wird die Konstruktion an Land: quer durch die Räuberhöhle flattern die Boote an ihren Schnüren hinter den Kindern her. Funktioniert.  

Diese allererste Woche nach den Ferien ist wie im Flug vergangen. Nach und nach haben wir uns von den ganz Großen verabschiedet, von denen uns manche zu Anfang der Woche noch bis zur Einschulung begleitet haben. Auch ist bereits eine neue Räuberin zu uns gestoßen. Beim gemeinsamen Spielen und Musizieren konnten wir die Spätsommeratmosphäre auf unserem Gelände genießen und zum Wochenausklang am Freitag einen wunderschönen Sonnenspaziergang durch den Wald unternehmen. 

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