Herbstlicher Abschied         30.10.2020

 

Goldtalerregen. Elfenpost. Blättertanz. Der Wald flittert und flattert in herbstlicher Lebendigkeit, abertausende von Blättern segeln durch die Luft. Kinder springen, jauchzen, wirbeln mit den Blättern um die Wette. Die Bäume werfen ihre Farbenpracht ab, sie lassen los.

 

 

 

Schon vor dem Fest lädt der bunte Teller zum Verweilen ein.

 

 

Wie auch wir vergangenen Freitag loslassen mussten von einer sechsjährigen Räuberin. Wie ein Baum sich auf das Loslassen seiner Blätter vorbereitet, so haben auch wir uns auf den Abschied eingestellt. Über mehrere Tage übten wir das Lied „Unser Kreis der sei offen“, dazu noch einen kleinen Tanz. Auch eine Abschiedskarte wurde gestaltet. Viele kleine Räuber sind darauf mit guten Wünschen und Grüßen. Das Mädchen stellte in der letzten Woche noch ihre Ledertasche fertig, ordnete ihre gemalten Bilder in ihr Portfolio und putzte ihr Außenfach. Außerdem hatten die Kinder vor kurzem beschlossen, das restliche Geld ihres Verkaufsstandes aus dem Winter 2019 unter allen Räubern zu verteilen. Auch das erledigten wir noch vor dem Abschied. Da hieß es Geld zählen, wechseln und gerecht aufteilen. Dann unternahm das Mädchen an ihrem Abschiedstag noch einen letzten Spaziergang mit Milla, unserer Räuberhündin und noch ein paar Freunden. Blättergeraschel zwischen den Füßen. Herbstwind um die Nase. Später trafen wir uns mit ihrer Familie in einem frei gekehrten Kreis. In der Mitte eine herbstlich angerichtete Schale mit Abschiedsgeschenken. Da überreichte ein Junge einen Zierkürbis, „Wie eine Dusche.“ sieht er aus, meint ein anderer. Auch zwei Kastanienketten wurden überreicht. Lautes Gelächter erschallte, als eine Erzieherin meinte „Du gehst an Halloween dann wohl als Kastanienbaum.“. Briefe der Kinder wurden vorgelesen: „Wir sollen uns mal wieder besuchen.“, „Ich wünsche dir gute Freunde.“ oder „Schade dass du gehst.“ Und auch wer noch nicht so fit darin war, hat sich bemüht mit etwas Hilfe seinen Namen unter seine guten Wünsche zu schreiben. Als alle Geschenke überreicht waren, lag noch ein einzelnes Herbstblatt auf dem Teller. „Das ist das Geschenk vom Wald“. Nun fassten wir uns zum Tanz an die Hände. „Fröhlich kommt und fröhlich geht, freut euch aufs Wiedersehen.“. Wir winkten der Famile zu, die sich aus dem Kreis entfernte, um sich in einem kleineren, ebenfalls freigefegten Kreis zu treffen. Unser Kindergartenkreis ist nun ein wenig kleiner geworden. Aber wie es in dem Lied heißt ist er offen, ein anderes Kind wird eines Tages den Kreis wieder ein wenig vergrößern. Kinder kommen, Kinder gehen. Blätter wachsen, Blätter fallen ab und leuchten dabei in ihren schönsten Farben. Wir wünschen von ganzem Herzen, dass der neue Kreis, in den das Mädchen nun eintritt, eine Gemeinschaft ist, in der sie Freude und Geborgenheit erfährt und freuen uns, wenn es vielleicht das ein oder andere Wiedersehen geben wird!

Baumgesichter                                        23.10.2020

 

Mit dem Ertönen eines Horns kündigt sich Simon bei uns in der Räuberhöhle an. Im Kreis sitzend lauschen die Kinder aufmerksam und interessiert Simon zu was er alles zu berichten weiß, denn er will gemeinsam mit uns heute den Bäumen Gesichter geben.

Mit einem Eichhörnchenspiel beginnt unsere gemeinsame Reise ins Land unserer Sinne. Eifrig wird von den Kindern die von Simon erhaltene Nuss versteckt, um sie in einer nächsten Runde wieder zu finden.

 

 

 

 

 

 

Egal ob Klein oder Groß, hier haben alle Spaß!

 

 

Zwei Kinder haben ihre Nuss so gut versteckt, dass sie etwas enttäuscht zurückkommen und zögerlich ihre Hand heben um uns dies mitzuteilen. „Das Eichhörnchen versteckt manchmal seine Nuss so, dass es sie nicht mehr findet oder ein anderes hat es gesehen beim Verstecken und klaut die Nuss“ berichtet ein 6-jähriges Mädchen. In einem weiteren Spiel - auf dem Boden sitzend und die Augen geschlossen - sind wir nun kleine Kriechtiere, die mit ihren Fingern durchs Laub rascheln, mal leise und sanft, dann schnell und laut um wieder zur Ruhe zu kommen und die Stille zu erleben; “Bin ganz leise, bin ganz still, weil ich den Wald und die Stille hören will“, diesen Satz wiederholt Simon immer mal wieder und die Kinder reagieren mit Präsenz hierfür.

Ganz eingetaucht noch im Empfinden von dem Erlebten führt uns Simon verbal weiter in die Welt der Verschiedenartigkeit. Die Kinder ergänzen mit: “Und ich seh‘ nicht aus wie P.“ sagt ein 3-jähriges Mädchen. “Und ich nicht wie A.“, meint ein 4-jähriger Junge. Mit Simon verlassen wir unseren Sitzplatz vom Waldboden und gehen zu einem Baum. Dort bestaunen die Kinder ganz in der Stille, neugierig und gebannt, wie er mit einem „Klatsch“ Lehmschlemme und all dem, was da auf dem Waldboden herumliegt, ein Gesicht entstehen lässt. weitere kleine Lehmflächen werden von Simon und einer Erzieherin an den Bäumen aufgetragen und mit voller Begeisterung beginnen die Kinder mit den Naturmaterialien vom Waldboden Gesichter zu kreieren. “Ich will nochmal ein Lehmklatsch, Simon“...“Ute, schau mal mein Gesicht an“. Und dann hören wir einen freudigen Schrei mit Händegeklatsche und kleinen Hüpfern, den ein 3-jähriger Junge aus sich heraus lässt. Er ist über sein entstandenes Gesicht am Baum ganz entzückt und strahlt voller Freude. Die Kinder finden kaum ein Ende. “Nochmal!“, und “Nochmal!“. Ein Klatsch Lehm nach dem Anderen! Mit einer Runde Beifall klatschen für jede/n einzelne/n Künstler/in vor seinem gestalteten Baumgesicht beenden wir die Aktion. In der Abschlussrunde mit Simon lässt er uns wissen, dass er ganz erstaunt ist über so viel Wissen zum Eichhörnchen und dass er gerade dazu lernt. Auch findet er, dass wir alle ganz herausragende Künstler sind.

Hoch zu Ross                       09.10.2020  

 

Morgens früh in der Pferdepension Schönblick in Poltringen: vier Kinder sitzen mit Anja, einer Mitarbeiterin der Räuberhöhle, und einem weiteren Erwachsenen gemütlich beim Vesper. Es ist ein ganz besonderer Ort zum Vespern, denn von hier aus ist man ganz nah am Leben der Pferde auf dem Hof dabei.

 

Begrüßung auf „pferdisch“

 

Direkt bei der Freilauffläche können die Kinder die 17 Pferde beobachten. „Guck mal, das sind immer die gleichen Pferde, die uns jedes Mal besuchen.“, meint ein Junge. Die Blicke wandern auf die beiden neugierigen Pferdeköpfe am Gatter, die Beiden scheinen sich genauso für die Menschengruppe zu interessieren, wie diese sich für sie. „Die haben ja alle Halsbänder an, wie ein Hund“. Anja erklärt, dass dort ein elektronischer Chip eingebaut ist, der z.B. den älteren Pferden erlaubt, sich zu einer Ruhefläche zurück zu ziehen, wo die wilden Jüngeren keinen Zugang haben und der auch kontrolliert, wie viel Kraftfutter jedes Pferd bekommt. „Der geht ja schon wieder schauen, ob noch was da ist.“ bemerkt ein Kind, als mal wieder ein Pferd nach übrig gebliebenen Krümeln im Kraftfutterbehälter nachschaut. Beeindruckend ist auch das Spiel der jungen Wallache, die wild körperlich und mit Gequietsche spielen. Unsere Pferdetage bieten den Kindern vielfältige Einblicke in deren Leben und den Umgang mit ihnen. So haben die Kinder schon morgens den Stall gemistet und gestaunt, was da so alles zusammen kam „Boah ist das viel Riesenkacka!“ ruft ein Junge beeindruckt aus, als die Schubkarre voll beladen ist. Und ebenso beeindruckend sind die zwei Ladungen Heu, die sie Nanu, Anjas Therapiepferd, dann zum Fressen bringen. Später wird Nanu auf den Reitplatz geführt. Dort ist ein extra Bereich mit Stangen markiert, in dem die Kinder, die gerade nicht mit Reiten dran sind, sandeln können. Außerdem begleitet die Gruppe auch Kater Fips, der sich nur zu gern von den Kindern kraulen lässt. Jedes Kind darf Nanu nun erst mal begrüßen, wer sich traut auch auf „pferdisch“. Dann kommt Nanu dem Gesicht des Kindes ganz nah und schnufft mit ihren Nüstern, wer möchte kann Nanu nun auch sanft anpusten, damit sie den Geruch gut aufnehmen kann. „Das ist ja wie ein Föhn“, meint ein Mädchen. Das Highlight ist dann für viele die Zeit im Sattel und die verschiedenen Übungen: es wird auch mal rückwärts auf dem Pferd gesessen, die Arme ausgebreitet oder Bälle in Reifen geworfen. Dabei geben sich die Kinder auch gegenseitig Tipps und feuern sich an. Zum Abschied darf Nanu mit ihrer Freundin auf die Koppel und die Kinder bedanken sich wertschätzend bei ihr. Man merkt: Nanu wird nicht nur als reines Vergnügungsobjekt wahrgenommen, sondern als ein eigenständiges Lebewesen.

 

 

Selber Farben machen

 

“Wenn der frische Herbstwind weht“ schallt es früh morgens zu Gitarrenklängen durch den Wald. Bunte Chiffontücher flattern dazu, getragen von rennenden und hüpfenden Kindern.

 

 

 

Heitere Schminkversammlung vor dem Spiegel

 

„Nochmal, nochmal.“ Rufen die Kinder jedes Mal, wenn die Musik verklingt. “Jetzt um die Hütte tanzen, aber alle in einer Richtung, damit wir nicht zusammen stoßen.“ meint ein Mädchen. Dann kommt eine weitere Variante hinzu: “Ihr bleibt still wie ein Eiszapfen stehen, wenn ich aufhöre zu spielen“. Die Kinder überlegen dann bei jedem Wiederstart eine neue Variante des Spiellieds: „Wenn du aufhörst mitspielen, müssen wir schnell zu einen Baum rennen und ihn berühren“ oder “... müssen wir schnell zu zweit zusammen kommen.“. Aufgewärmt machen sich anschließend 2 Gruppen an ihr Projekt Naturfarben herzustellen. Die erste Gruppe mischt ihr Steinmehl mit Wasser und beginnt Bäume und unser Räuberhöhlenschild zu bemalen: “Das ist Naturfarbe“ ruft ein Mädchen begeistert. Die zweite Gruppe beschließt: “Wir stellen weiteres Steinmehl her, damit wir mehr für alle zum Malen haben.“. Es werden verschiedene Vorgehen besprochen. Hammer, Eimer, Mörser und Sieb, alle Werkzeuge sind im Einsatz und es müssen immer wieder Absprachen getroffen werden. An einem weiteren Tag sammeln die Kinder der 1. Gruppe neue Ideen und treffen ihre Entscheidung, Farbe zu machen aus roter Beete, Rotkohl und Kurkuma. Verschiedenste Methoden werden erprobt: “Ich reibe es zwischen meinen Händen.“, “Ich presse mit dem großen Holzrugel.“. Manche nutzen Messer und schneiden die rote Beete klein. Sie staunen, wie rot ihre Finger werden und bemalen mit ihren kleinen Gemüsestückchen Bäume und Räuberhöhlenschild oder schreiben dort ihren Namen und manche bemalen noch ihr Gesicht. Die Kinder der 2. Gruppe haben weiteres Steinmehl produziert und entscheiden sich tags darauf, ihr Steinmehl mit Wasser zu mischen und beginnen ebenso mit Malen. Gruppe 1 endet diese Woche mit genussvollem experimentieren von einem gefundenen Stück Restkohle, das sie – fein vermörsert und mit Wasser gemischt – als Schminke nutzen. Lachend versammeln sie sich vor einem großen Spiegel. „Du hast ja einen Bart“ hört man unter Gelächter. Den letzten Tag der Woche genossen wir dann bei wundervollem Wetter auf einem Spielplatz, während die Kinder in Kleingruppen Nanu, das Therapiepferd einer Kollegin, im nahe gelegenen Stall besuchten.

Steinmehl und Pilzmatsch

 

 

Aus dem Steine bemalen und den vielen Ideen der letzten Woche entstanden bei den Kindern noch weitere Ideen. So arbeiteten sie zu Beginn dieser Woche eifrig an ihrem neuen Vorhaben, natürliche Farben herzustellen. „Wir machen Steinmehl und wenn man das mit Wasser mischt gibt es Farbe.“, schlägt ein Junge vor.

 

 

 

Mit Schutzmasken ausgestattet, schlagen die Kinder die Sandsteine klein.

 

 

Nach einem Vormittag Sandsteine aneinander reiben war die Ausbeute etwas spärlich. In einem Buch entdeckten die Kinder, dass man die Steine auch mit Hammer, Mörser und Sieben bearbeiten kann. In der entstandenen Steinmehlfabrik wurden die Steine nun zu sehr feinem Sand verarbeitet. Begeistert präsentierten die ArbeiterInnen ihr Ergebnis noch vor dem Abschlusskreis des Tages. Parallel zu diesen Gruppen experimentierten 2 Jungs und ein Mädchen, ob man denn aus dem soeben entdeckten Hexenröhrling, der beim Anschneiden eine bläulichschimmernde Farbe erscheinen lies, auch solch eine schöne Farbe herstellen könnte? Mit Einmalhandschuhen, Messer und Mörser begann hier ein lustig-langwieriger Prozess, aus dem dann Pilzmatsch in bräunlichem Ton entstand. Diese Farbe wurde den Anderen schmunzelnd und belustigend vorgezeigt. „Iiiiihgittigitt“ und gesichtsverziehend lachten die Kinder über das neu erworbene Produkt. Ein einziges jüngeres Kind entschied sich für Wasserfarben malen. Nach Absprache bemalte er die  Holzbrettrutsche. „Ich will da auch malen“ war die Reaktion von weiteren Kindern und so gestalteten mehrere Kinder unser breites Brett. Und was geschah aus dem Steinmehl? Durch gut gemeintes Aufräumen eines 3-jährigen landete das hart Erarbeitete auf dem Waldboden. Zuerst gab es laute Empörung und der Betroffene äußerte immer wieder weinend „nicht Absicht“. Während sich eine Erzieherin liebevoll um den Kleinen kümmerte, kamen viele Hände zum Helfen herbeigeeilt, das Geschehen konzentrierte sich auf das behutsame Einsammeln und so konnte einiges noch vor dem nach Hause gehen gerettet werden. Am folgenden Tag waren ein paar Kinder mit Sieben des verunreinigten Steinmehls beschäftigt.

 

Bunter Start ins neue Kindergartenjahr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Fingerfarben und Pinseln konzentriert am Malen. 

 

Das Ankommen in der Räuberhöhle nach unserer Sommerferienpause beginnt mit einem ausgiebigen Morgenkreis. Dort lassen wir uns Zeit, so dass jedes Kind berichten kann. Ob das nun irgendwelche Erlebnisse aus länger vergangenen Zeiten, Besuche, Urlaubsaktivitäten oder das eigene momentane Befinden sind, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist das Mitteilen, gehört und gesehen werden. 

 

Durch das Ausblasen unserer Morgenkreiskerze eröffnet sich das Ende der Runde und damit das individuelle Vorhaben der Kinder. Zwei Mädchen beginnen gezielt, Hölzer anzumalen, was im Laufe dieser ersten Woche mehr und mehr Raum einnimmt und auf Interesse fast aller Kinder stößt. Auch Steine und Rindenstücke werden bemalt. „Ute, schau was ich alles gesammelt habe, das will ich alles bunt und schön anmalen.“, so ein Junge, der voller Tatendrang mit Steinen und Hölzern bepackt unterwegs zum Platz mit den Farben und Pinseln ist. Ein anderes Kind zeigt mir sein bemaltes Holz und erzählt, dass es seine Gitarre ist und er noch mehr Holz anmalen möchte. Eines der Mädchen berichtet ganz aufgeregt: „Ute, mein Fach ist schon ganz voll und ich mach immer noch mehr, ich hab noch so viel vor.“ und sie zeigt mir ihre neu gesammelten Holzstücke. Einige Kinder beginnen, Farben zu mischen und wollen ihre Malaktivität auch auf Bäume ausweiten. Doch ist die Farbe auch umweltverträglich? Wir sind uns nicht sicher. Eine Erzieherin berichtet von einem anderen Waldkindergarten, welcher einen bemalten Totholzstamm auf ihrem Gelände stehen hat. Ein Mädchen will dort anrufen. Wir überlegen mit den Kindern, wie man sich am Telefon meldet und was wir fragen wollen, dann ruft das Mädchen an und findet mit Unterstützung eines Jungen heraus, dass die Farbe nicht für lebende Pflanzen ist. Die Kinder haben gleich weitere Ideen: „Dann malen wir doch die Hütte an!“, „Oder unsere Fächer, jeder sein eigenes Fach!“, „Oder den abgesägten Baumstumpf.“. Nun ist bei vielen Kindern das Feuer entfacht für ein neues Malerlebnis, wir sind gespannt, wie es nächste Woche weiter geht.

 

 

 

 

 

 

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